Die Geschichte der Sofortbildkamera

Die Sofortbildkamera – Renaissance von Polaroid & Co.

„See it, snap it“, mit diesem Werbeslogan verkaufte ein Fotoladen in Boston am 26. November 1948 für rund 90 Dollar die erste Polaroidkamera (Model 95) – die erste Sofortbildkamera. 1963 gelang es Polaroid den ersten „1-Minuten-Farbfilm“ der Welt namens Polacolor auf den Markt zu bringen. Die Sofortbildkamera war eine kleine Revolution: Mit ihr wurde es möglich, Fotos sofort nach dem „Schießen“ auszudrucken. Die klassische Polaroid Kamera, die 1947 auf den Markt kam, wurde zum Synonym für Sofortbildkamera. Kein Wunder – Polaroid war über viele Jahre der einzige Vertreiber von Sofortbildkameras, wenngleich sich auch andere bekannte Firmen – beispielsweise Kodak – um die Etablierung einer eigenen Sofortbildkamera bemühten. Heute sucht man Sofortbildkameras nicht selten vergeblich – sie sind eine Rarität geworden. Doch ob Party oder professionelles Fotostudio – heute erfreuen sich Sofortbildkameras wieder großer Beliebtheit und fungieren oftmals als „Stimmungsmacher“ auf Veranstaltungen, Festen, Hochzeiten & Co. Gut, dass man kurzfristig eine Polaroid kamera leihen kann. Im Internet wird man schnell fündig.

 

Der Pionier der Sofortbildkamera

Entwickelt wurde die erste Sofortbildkamera von dem US-Amerikaner Edwin Herbert Land (1909-1991) – sein 1937 gegründetes Unternehmen Polaroid brachte sie 1947 auf den Markt. Bereits vier Jahre zuvor ließ sich Land die Polarisationsfolien patentieren – davon abgeleitet ist auch der Name des Unternehmens Polaroid. Polaroid kamera BilderLand gilt als einer der Pioniere in Sachen Film- und Kameraentwicklung überhaupt: Mehr als 500 Patente sind mit dem Namen Land verbunden. So verwundert es nicht, dass kreative Größen wie Steve Jobs und Andy Warhol Edwin Land besonders schätzten und verehrten. „Der Mann ist ein Nationalheiligtum“, sagte Jobs voller Hochachtung. Polaroid war das Apple des jungen 20. Jahrhunderts. Parallelen zwischen Polaroid und Apple sind durchaus erkennbar – auch und gerade in puncto Innovation und Präsentation: Land war für seine überdramatischen Präsentationen bekannt, wenn er allein auf großer Bühne stehend, von einem Orchester mit den sprichwörtlichen Pauken und Trompeten begleitet wurde. Land präsentierte seine Erfindungen – ähnlich wie Jobs – nicht nur äußerst wortgewandt, sondern auch medientauglich. So erstellte seine Firma Trainingsvideos für Händler, um den Absatz der Kameras zu forcieren. Auch bekannte Showgrößen wie US-Sängerin Margaret Whiting konnten sich dem Polaroid-Hype nicht entziehen und beförderten ihn sogar noch. „Nur eine Minute?“ Whiting war ganz erstaunt, dass eine Entwicklungszeit von nur einer Minute jetzt möglich war. Keine Frage: Land war innovativ auf der ganzen Linie – Marketing inklusive. Mit einer netten Geschichte erklärte er immer wieder seinen Erfolg. Demnach war er 1943 mit seiner Familie in Santa Fee im Urlaub. „Es war ein wunderschöner Tag“, so erinnerte sich Land – von Schnee bedeckte Berge, dazu Sonnenschein. Er machte Fotos. Seine dreijährige Tochter fragte dann: „Papa, warum kann ich die Fotos nicht sofort sehen?“ Das war der Auslöser für seine spätere bahnbrechende Erfindung.
1980 schied Land als Firmenchef aus – sein Privatvermögen belief sich auf geschätzte 150 Millionen US-Dollar. Elf Jahre später starb er. Den Niedergang seines Imperiums erlebte Land nicht mehr. Polaroid verschlief die Digitalisierung. Serien von Fotos konnten jetzt innerhalb weniger Sekunden geknipst, anschließende versendet und geteilt werden. Mit diesem enormen Tempo konnte Polaroid nicht mehr mithalten.

 

Comeback der Sofortbildkamera

Keine Frage: Sofortbildkameras haben heute keinen leichten Stand im Wettbewerb um die Gunst des Konsumenten – die digitalen Kameras machen es Ihnen nicht gerade leicht. Kodak hat sein Sofortbild-Programm 1986 aufgegeben, 2007 stellte Polaroid die Herstellung der Kameras – aus wirtschaftlichen Gründen – ein, 2008 folgte die Aufgabe der Filme. polaroidDoch besonders im privaten Bereich werden Sofortbildkameras heute vor allem wegen ihres Retrocharakters wieder in besonderer Weise geschätzt und nachgefragt. Nicht zuletzt die Liebhaber sind es, welche die Polaroid-Filme am Leben erhalten haben: Als Polaroid 2008 die Produktion ihrer speziellen Filme einstellte, trat das Startup „The Impossible Project“ auf den Plan und erwarb Polaroids letzte Filmfabrik in Enschede (Niederlande) kurz vor der geplanten Schließung. Diese Aktion erwies sich in der Folge als Mammutaufgabe: Abgesehen davon, dass die Produktionsmaschinen bereits abgebaut waren, war die Mannschaft von Impossible in puncto Herstellung von Sofortbildern gänzlich unerfahren. Darüber hinaus war auch die Lieferkette bereits unterbrochen. Damit fingen die neuen Eigentümer praktisch bei null an. Davon ließen sie sich aber nicht entmutigen – sie holten sich das Know-how von außen und engagierten Fotografen, Ingenieure und Chemiker. So schaffte das Impossible-Projekt, dass am Ende alles possible wurde – und der Polaroid-Film eine Wiedergeburt erfuhr. So gibt es heute wieder Polaroid-Filme zu kaufen – sogar in bester Polaroid-Qualität. Damit aber noch nicht genug: Das Projekt Impossible repariert und restauriert alte Polaroid-Kameras – echtes Polaroid-Feeling inklusive. Und seit 2016 gibt es sogar das erste eigene Kameramodell: die Impossible Project I-1. Diese Kamera bedeutet eine Symbiose der Vorzüge des Sofortbild-Oldies in einem schlichten Modell mit digitalen Funktionen – selbstverständlich mit altmodischem Sucher und Auslöser. Die scheinbar altmodische Sofortbildkamera hat ihre Fans, und es scheinen immer mehr zu werden. Schon ist die Rede von Renaissance der Sofortbildkamera. Die Zahlen scheinen diesen Eindruck zu bestätigen, wenn Fuji allein 2016 mehr als fünf Millionen dieser Kameras verkauft hat. Die Sofortbildkamera bietet eine individuelle Alternative zu den Bilderfluten der Digitalkameras. Da fallen 60 Sekunden Wartezeit für ein Bild aus der Sofortbildkamera kaum störend ins Gewicht. Ganz im Gegenteil: Endlich mal Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Im Übrigen braucht man die Sofortbildkamera ja nicht gleich zu kaufen, man kann eine Polaroid kamera auch leihen.